Das Büro – Ein kreativer Raum?

Publiziert am 23. Februar 2017 von Alltec Bürokonzept

Die Forschungsreihe NEW WORK ORDER wurde 2012 aufgesetzt und untersucht seither den Kommunikationswandel im Büro. Pünktlich zur ORGATEC 2016 erschien die dritte Publikation, die ihren Fokus auf „Kreative Lernwelten“ legt. Wir haben uns mit dem Papier beschäftigt und sagen, wie man eine kreative Arbeitsumgebung schaffen kann.

© CAS rooms

Neue Kommunikationsmöglichkeiten, neue Aufgaben, neue Strukturen haben unseren Arbeitsalltag in den letzten 20 Jahren nachhaltig verändert. Mit großen Schritten schreitet die Digitalisierung voran und wird auch in Zukunft zu weiteren Umbrüchen unserer Arbeitswelt führen. Im September 2016 nahm sich auch der Spiegel dem Thema an und titelte: „Sie sind entlassen. Wie Computer und Roboter die Arbeit wegnehmen – und welche Berufe morgen noch sicher sind.“ Was einst verheißungsvolle Utopie war, nämlich dass Maschinen dem Menschen das Leben erleichtern und Arbeit abnehmen, erscheint inzwischen als Schreckenszenario. Wenn die Digitalisierung ganze Berufsbilder obsolet macht, wenn statt Produktion Dienstleistung gefragt ist und gängige Geschäftsmodelle von ganz neuen abgelöst werden, wenn Kompressorhersteller nicht mehr Kompressoren verkaufen, sondern Kubikmeter komprimierter Luft, dann

– so die These der Publikation – wird es in Zukunft mehr kreative Tätigkeiten geben, werden sogenannte Wissensarbeiter begehrter, dann rücken Lösungskompetenzen in den Vordergrund, dann geht es darum, komplexe Aufgaben gemeinsam und interdisziplinär zu bewältigen, Problem zu erfassen und Lösungen zu finden. Innovation erfordert beständiges Lernen und so wandeln sich auch die Büros der Zukunft in Lernwelten.
Natürlich, sagt die dänische Designerin Rosan Bosch in einem Interview, können wir „keine Räume bauen, die Unkreative plötzlich kreativ werden lassen, aber immerhin Räume, die kreatives Arbeiten unterstützen“. Weil Kommunikation unabdingbar ist, um Wissen anzueignen, weiterzugeben oder gemeinsam zu generieren, analysiert die Designerin zu Beginn eines jeden Projektes die Kommunikation. Bosch untersucht „Kommunikationshandlungen in Bezug auf ihre Quelle, Richtung und Ausdehnung, auf Konfiguration der Akteure und Zuhörer“. Dieses Wissen hilft, Raumkonzepte zu entwickeln, die die Arbeits- oder Lernsituationen noch viel stärker als bisher berücksichtigen.

Modulare Konferenzmöbel von Haworth lassen sich mit wenigen Handgriffen auf- und abbauen
Modulare Konferenzmöbel von Haworth lassen sich mit wenigen Handgriffen auf- und abbauen

Dass unterschiedliche Lernsituationen unterschiedliche Räume erfordern, da sind sich die Unternehmensberater Julia Dellnitz und Lars Büsing einig. Der Wechsel hilft uns nicht nur dabei, uns auf die jeweilige Situation wie konzentriertes Arbeiten oder Recherchieren, Austausch und Diskussion einzulassen, er verstärkt das Lernen. Und wie der Leiter des Competence Center Workspace Innovation vom Fraunhofer IAO Dr. Stefan Rief weiß, steigern Ortswechsel die Ideen.
Gefragt sind nicht nur Designer und Inneneinrichter, sondern auch die Architekten. Einen Blick wirft die Publikation nach Skandinavien: Hier wurden in den letzten Jahren Lernorte wie Schul- oder Universitätsgebäude geschaffen, die viel Raum für formellen und informellen Austausch, Einzel- und Gruppensituationen, Aktivität und Entspannung bieten. Auch an Bürogebäude könnten in wenigen Jahren ganz andere Ansprüche gestellt werden.

Feste Arbeitsplätze und multifunktionale Räume, sind in vielen Unternehmen Standard. Wie lässt sich also Raum für Kreativität auf begrenzten Flächen schaffen?

Schirmt ab. Das akustische Raum-in-Raum System schafft Platz für konzentriertes Arbeiten
Schirmt ab. Das akustische Raum-in-Raum System schafft Platz für konzentriertes Arbeiten

„Raum-In-Raum-Systeme ermöglichen Rückzugsorte für Einzelpersonen und Gruppen und lassen sich auch in Open-Space-Landschaften integrieren“, sagt Petra Wirth vom Berliner Planungsbüro ALLTEC Bürokonzept. „Modulare Möbel bieten die Möglichkeit, Räume mit wenigen Handgriffen umzugestalten an die jeweilige Situation anzupassen. Zudem können wir auch neben festen Arbeitsplätzen temporäre Arbeitsstationen einplanen oder Flächen entsprechend gliedern und somit Ortswechsel ermöglichen. Man muss also nicht gleich die Fläche verdoppeln, um eine kreativere Arbeitsatmosphäre zu schaffen.“ Nicht zu unterschätzen sind auch vermeintlich „weiche“ Aspekte wie die Materialien, die Farbgestaltung oder Nutzung von Pflanzen, erzählt Planerin und Ergonomieberaterin.

Eine wichtige Rolle spielt bei all dem aber auch die Unternehmenskultur. Wie die Kreativitätsforschung gezeigt hat, lassen sich Ideen nicht erzwingen. Kreativität braucht Freiraum, Muße und Entspannung.

Klapptable for one - Mit dem mobilen Tisch kann man die Arbeit dahin verlagern, wo einem die Ideen kommen
Klapptable for one – Mit dem mobilen Tisch kann man die Arbeit dahin verlagern, wo einem die Ideen kommen

Die Publikation „New Work Order – Kreative Lernwelten“, herausgegeben vom Industrieverband Büro und Arbeitswelt, können Sie hier lesen.

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